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Fluss-Säure
Vorkommen,
Verwendung, wirksame Bestandteile:
Fluss-Säure ist eine stechend riechende, stark ätzende und sehr giftige
farblose Lösung von Fluorwasserstoff in Wasser. Sie hat kein natürliches
Vorkommen und wird zum Ätzen von Halbleitern und Chips, Ätzen und
Reinigen von Silikon, Glas, Metall, Stein, und Porzellan benutzt
Eigenschaften
und Wirkungen:
Aufgrund ihrer geringen Dissoziation, hohen Lipidlöslichkeit und
Polymerisation besitzt sie ein starkes Penetrationsvermögen im
menschlichen Gewebe, d.h., Fluss-Säure entfaltet in tiefen Gewebeschichten
eine stark ätzende Wirkung. Die Konzentration der resorbierten Fluss-Säure
ist bei akuter Intoxikation im Blut niedrig (,4 mg/l), aber in den inneren
Organen auffallend hoch (1,8-26,7 mg/100 g Frischgewebe; normal 0,1 mg/100
g). Erzeugt als wässrige Lösung (bereits ab
0,1-0,3%) auf Haut und Schleimhäuten äußerst schmerzhafte Verätzungen,
die sich durch weitere Diffusion der undissoziierten Säure rasch
ausbreiten können. Sie gehen in hartnäckige Geschwüre über, die durch
sehr schlechte Heilungstendenzen gekennzeichnet sind. Das Einatmen von Dämpfen
verursacht Verätzungen der
Atemwege und ein toxisches Lungenödem. Siehe pois Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichts =>
metabolische Acidose
Akute Toxizität: Mensch oral: niedrigste toxische Dosis 1 g
niedrigste tödliche Dosis 5 g Mensch inhal: niedrigste toxische Dosis 100 mg/m3/1min
Ratte oral: LDLO 25 mg/kg Ratte inhal:
LD50 1276 ppm/h MAK-Wert: 3 ml/m3; 2 mg/m3
BAT-Wert: 7 mg/g Kreatinin
Kategorie nach GefStoffV: Gefahrenklasse C / T (ätzend und giftig).
Kategorie nach MAK-Werte-Liste: I (lokal reizende Stoffe)
Klinik: Haut: Rötung, Brennen, Verätzungen schwersten Grades sind zu erwarten,
verzögerte Reaktion bei Konzentrationen < 50% 1-8h, < 20% bis 24h.,
Rhabdomyolyse. Schwerste Verätzungen schon ab 0,3%iger Fluss-Säure.
Atemtrakt: Verätzungen, Dyspnoe, Bronchospasmus, Tracheobronchitis,
Pneumonitis, Lungenödem, Veränderung der Lungenfunktion sind messbar.
Augen: Rötung, Brennen, Konjunktivitis, Verätzungen, Hornhauterosionen
und -trübungen, auch bei Dampfexposition. Magen, Darm:
Bauchschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Blutungen, Nekrosen,
Perforation, Pankreatitis, erhöhte Transaminasen, metabolische Azidose,
Hypocalcämie, Hypomagnesiämie, Arrhythmien.
Labor/Diagnose:
Kann Glas ätzen
Therapie: Haut:
Kontaminierte Kleidung entfernen. Extremitäten als Erstmaßnahme
waschen mit Ca++haltiger Flüssigkeit, wenn keine Zeit verloren geht
Calciumglukonat Kompressen oder Calciumglukonat-Gel anwenden. Eine
Klinikeinweisung ist obligat. In der Klinik Angiographie, Katheter liegen
lassen und intraarterielle Infusion von 10 ml Calciumglukonat 20%ig in 40
ml NaCl 0,9%ig über mindestens 4 Stunden. Bei andauernden Schmerzen
wiederholen bis zur Schmerzfreiheit. Dann Kontrollangiographie. Wenn keine Möglichkeit zur intraarteriellen Behandlung besteht: In verätzte oder schmerzende Stellen zuerst Lido-Hyal oberflächlich und
tief je 1 ml injizieren, anschließend sofort oberflächlich und tief je 2
ml einer Mischung aus Lignocain 4%ig und Calciumglukonat 20%ig injizieren
(siehe Gebrauchsanweisung Notfallpackung!) Bis zur Schmerzfreiheit
wiederholen. Inhalative Aufnahme ausschließen Atemtrakt: Lungenödemprophylaxe mit Dexamethason Spray.
Ca-glukonataerosol wurde probiert, ein klinischer Nutzen konnte nicht
nachgewiesen werden. Es besteht aber auch kein Bedenken dagegen.
Auge: Sofortige Spülung mit handwarmem Leitungswasser mindestens über 5
Minuten. Beim Augenarzt Lokalanästhesie und weitere ausgiebige Spülung
zusätzlich mit Magnesium-Sulfatlösung 10%ig (Cave: kein
Calciumglukonat, da Kristalle in der Hornhaut ausfallen und zu einer Trübung
führen können). Zusätzliche inhalative Aufnahme
ausschließen. Magen, Darm: Bei eindeutigen Verätzungen kein Erbrechen, keine Kohle,
keine Neutralisation. Flüssigkeit um den Ösophagus abzuspülen, aber keine Magenüberfüllung. Eine endoskopische Untersuchung ist innerhalb von Stunden nach Ingestion möglich,
wenn keine Hinweise auf eine Perforation bestehen.
Cave Perforation durch
Untersuchung, nur von Erfahrenem durchführen lassen. Wenn möglich
Magenflüssigkeit mit dem Gastroskop absaugen. So schnell wie möglich Fluorid bindende Flüssigkeit z. B.:
Calciumglukonat
oder aufgelöste Calcium-
Tabletten.
Bemerkung: 1 Liter Milch hat ca. 1-2 g Calcium. Das heißt um
50 ml 25 % ige Fluss-Säure zu binden braucht man ca. 6 Liter Milch
Symptomatische Behandlung des Schocks. Magenschutz durch Ulcogant 4
mal 1g in 60 ml Wasser/d. Ständige Überwachung und Ausgleich der metabolischen Azidose. Prophylaktische Heparinisierung (= low dose) mit 200-500 E/h (Quick, PTT,
TZ dürfen nicht reagieren)
Speziell Ca++haltige Lösung verabreichen.
Beachte: Bei Einnahme von 50 ml
50%iger Fluss-Säure sind10 g
Ca++ notwendig (z.B. 25 g
CaCO3). Elektrolytkontrolle, Ck-Kontrolle
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